Marduk – 16.05.2018 – Backstage München – Konzertbericht

Am Nachmittag haben sich vor dem Münchner Backstage bereits ein paar Black Metaller versammelt, um auf das Marduk-Konzert zuwarten, als plötzlich ein bewaffneter Polizist um die Ecke rennt. Kurzer Schock: Haben Marduk sich nun nach so vielen Jahren doch den vielen Black Metal-Bands angeschlossen, die bereits Straftaten begangen haben? Glücklicherweise nicht, denn die Erklärung ist eine viel harmlosere. Auf dem Backstage-Gelände finden gerade Dreharbeiten für eine Krimiserie statt. Davon lassen sich die Fans und Bands aber nicht stören und lassen das Konzert trotzdem ganz normal stattfinden.

Kâhld

 

Kâhld am 16.05.2018 im Backstage München
Kâhld – 16.05.2018 – Backstage München – Photo: © SK Fotos

 

Den Anfang machen heute Kâhld. Das Quartett um Sänger/Gitarrist LukHass spielt sehr variantenreichen Black Metal. Dabei bringen sie das für eine Band dieses Genres sehr ungewöhnliche Kunststück fertig, dass jeder der gespielten Songs komplett unterschiedlich klingt. Von hochmelodischen Leadgitarren, über Blastbeat-Raserei, bis hin zu langsamen atmosphärischen Stücken ist hier so ziemlich jeder Black Metal-Stil vertreten. Stark! Während es auf der musikalischen Seite kaum etwas auszusetzen gibt, ist das Auftreten der Band jedoch von Monotonie geprägt. Die Bandmitglieder bleiben meist fast unbeweglich auf ihren Plätzen stehen. Doch das scheint die anwesenden Fans kaum zu stören, denn Kâhld schaffen es, während ihrer halbstündigen Show die anfangs fast leere Halle zum Ende hin doch recht gut zu füllen.

 

Unlight

 

Unlight am 16.05.2018 im Backstage München
Unlight – 16.05.2018 – Backstage München – Photos: © SK Fotos

 

Als nächstes sind Unlight dran, die einen ziemlich genau gegensätzlichen Eindruck hinterlassen. Einerseits merkt man ihnen die über 20-jährige Erfahrung an, denn die Band liefert eine tolle Bühnenshow, mit viel Bewegung und Headbangen ab. Andererseits klingt fast jedes Lied wie das vorherige. Die schnellen, fast durchgängig von Blastbeats geprägten Black/Thrash Metal-Songs bieten leider kaum Abwechslung. Andererseits scheint sich die Band durch häufige Auftritte eine recht große Fanbasis erspielt zu haben, denn die Publikumsreaktionen sind sogar etwas besser, als noch bei Kâhld. Zudem hört man hier virtuose Soli, die ja sonst im Black Metal eher selten vertreten sind. Und so können Unlight trotz der Schwächen einen positiven Eindruck hinterlassen.

 

Streams of Blood

 

Streams Of Blood am 16.05.2018 im Backstage München
Streams Of Blood – 16.05.2018 – Backstage München – Photo: SK Fotos

 

Weiter geht es mit Streams of Blood. Die vier Musiker erzeugen durch ihre Kostüme (z.B. blutverschmiertes Unterhemd, oder schwarze Mönchskutte mit Patronengurt) sofort eine düstere Stimmung. Passend dazu ist die Musik dazu im Vergleich zu Unlight eher langsam und düster gehalten. Trotz der immer vorhandenen Black Metal-Wurzeln, sind im Stil der Band auch deutliche Death Metal-Einflüsse vorhanden, insbesondere beim ziemlich tiefen Gesang. Der durchweg gute Sound tut sein übriges, sodass Streams of Blood den bisher besten Eindruck hinterlassen.

 

Ragnarok

 

Ragnarok am 16.05.2018 im Backstage München
Ragnarok – 16.05.2018 – Backstage München – Photo: © SK Fotos

 

Der bleibt allerdings nicht lange, denn sobald Ragnarok die Bühne betreten, sind die vorherigen Bands komplett vergessen! Die vier Norweger haben das Publikum von Anfang an komplett in der Hand, und können fast jeden Fan in der Halle mitreißen. Obwohl sie schnellen harten Black Metal spielen, sind die Songs doch immer höchst eingängig, und werden nie langweilig. Fonthmann Jotho performt trotz seines blutverschmierten Corpsepaints wie ein Rockstar. Gitarrist Bolverk haut ein Klasse-Riff nach dem anderen raus, und bei Hammer-Songs wie „Murder“ kann man selbst mitsingen, wenn man das Lied noch nie gehört hat. Abwechslung ist natürlich auch geboten, von neuen Songs („Infernal Majesty“), bis hin zu über 20 Jahre alten Demosongs, wird hier ein guter Querschnitt durch die gesamte Diskographie von Ragnarok geboten. Leider ist nach knapp einer Stunde mit „Blackdoor Miracle“ auch schon Schluss.

 

Marduk

 

Marduk am 16.05.2018 im Backstage München
Marduk – 16.05.2018 – Backstage München – Photo: © SK Fotos

 

Nach dieser tollen Show fragt sich so mancher Fan, wie Marduk das noch toppen wollen. Aber sie wären ja bei dieser Tour nicht als Headliner gebucht, wenn sie darauf nicht vorbereitet wären. Gleich zu Beginn rollt die „Panzer Division Marduk“ ins Backstage ein, nur um noch einen Luftangriff in Form von „Baptism By Fire“ hinterherzuschicken. Um das bis jetzt pausenlose Blastbeatgeballer etwas aufzulockern, spielen Frontmann Mortuus und seine Band erst mal ein paar langsamere Songs wie „The Levelling Dust“. Hier kann insbesondere Gitarrist Morgan seine Melodiefähigkeiten zeigen. Zeitweise wird die tolle Show aber durch ein junge Frau gestört, die sich, auch unter Anwendung von äußerst schmerzhafter Gewalt (Fingernägel!), an verschiedensten Stellen in die erste Reihe zu drängeln versucht. Nachdem sie dabei erfolglos bleibt, schafft sie es jedoch wenig später, auf die Bühne zu klettern. Völlig uneinsichtig ignoriert sie die Aufforderungen der Band, die Bühne wieder zu verlassen. Erst drei Crewmitglieder schaffen es, die Störerin wieder ins Publikum zu bugsieren. Endlich können Marduk ihr Konzert wieder ungestört weiterspielen. Von nun an pendelt das Quartett zwischen härteren („Throne of Rats“) und melodischeren Songs („Burn My Coffin“) hin und her. Insbesondere die beiden Songs „Werwolf“ und das eingängige „Equestrian Bloodlust“ vom kommenden Album „Viktoria“ rufen Begeisterung beim Publikum hervor. Da kommt der letzte Song „Into Utter Madness“ natürlich gefühlt viel zu schnell. Aber die ausdauernden Zugaberufe lassen Marduk natürlich keine andere Wahl, als noch ein letztes Mal für „Serpent Sermon“ zurückzukommen.

Und so werden die Fans in die Nacht entlassen, wo auch die Krimi-Dreharbeiten inzwischen abgeschlossen sind.

 

Weitere Fotos des Abends findet ihr hier.

 

  • Bericht: Raphael
  • Bilder: SK Fotos (for Metal Affair)

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