Steven Wilson – 04.02.2019 – Philharmonie im Gasteig – Konzertbericht

Es war Montagabend, Anfang Februar. Wie gewöhnlich rechnete keiner in München mit Schnee und es herrschte S-Bahn-Chaos. Dennoch fanden viele Besucher ihren Weg in die Philharmonie im Gasteig, um Steven Wilson zu sehen.

Zu ungefähr ¾ gefüllt beeindruckte die Philharmonie mit ihrer imposanten Größe und Architektur. Für Metal-Fans eher ungewohnt waren die angebotenen Kaviar-Häppchen und der Champagner.

Pünktlich um 20:00 Uhr ging es dann auch los. Und das bunt gemischte Publikum, von jung bis jung geblieben, durfte sich an einem kurzen Film erfreuen. Dieser bestand aus zahlreichen Bildern, über welchen jeweils ein Wort erschien, welches die Bilder mit Emotionen verband. Die Bilderabfolge nahm an Geschwindigkeit zu, bis die Emotionen so gar nicht mehr zu den Bildern passen wollten. So entstand ein emotionaler Einstieg in den Abend, der definitiv zum Nachdenken anregte.

 

Songs & Emotionen

 

Schließlich betrat Steven Wilson die in starkes Violett gehüllte Bühne. Es ertönte „Nowhere Now“ aus dem Album „To The Bone“. Die Akkustik der Philharmonie beeindruckte. Und ließ zugleich die Musik zu laut erscheinen. Nichtsdestotrotz transportierte der Song starke Gefühle und zog das Publikum gekonnt in seinen Bann.

 

Steven Wilson 2019
Steven Wilson – 04.02.2019 – Philharmonie im Gasteig – Photo: © The Discovered Land

 

Es folgte der Song „Pariah“. Und auch die Beleuchtung auf der Bühne wechselte. Einzig Steven Wilson wurde nun angestrahlt, während er mit der Akustikgitarre den Song performte. Ein Highlight während des Refrains bildete die Einblendung der singenden Ninet Tayeb. Spätestens bei diesem Song war auch der letzte Anwesende im Publikum überzeugt und gab sich voll und ganz der wundervollen Musik hin.

 

Let’s bully the Drummer!

 

Steven Wilson suchte den Kontakt zum Publikum und erzählte dabei auch von seinen Konzerten in Japan. Er beschrieb die japanischen Konzertbesucher als sehr höflich und dass diese erst am Ende des Konzerts klatschen würden. Werden sie jedoch zum Klatschen aufgefordert, so tun sie dies wild durcheinander und ohne jeglichen Takt. Nach dieser kurzen Anekdote forderte Steven Wilson das anwesende Publikum auf, beim Mitklatschen provokant aus dem Takt zu sein, um den Drummer vorsätzlich zu verwirren. Mit „Let’s bully the Drummer“ forderte Wilson während des Drum-Soli und einigen anderen Songs das Publikum immer wieder zur Drummer-Sabotage auf. Ein gelungener Running-Gag, der sich durch die komplette Show zog.

 

Steven Wilson 2019 Philharmonie München
Steven Wilson – 04.02.2019 – Philharmonie im Gasteig – Photo: © The Discovered Land

 

Farben, Licht & Kunst

 

Die gesamte Show beeindruckte mit spektakulären Farb- und Lichteffekten. Hinzu kamen Kurzfilme mit Statements über Liebe, die Verschmutzung der Meere oder das massive Verkehrsaufkommen in Städten. Imposant und nachdenklich stimmend zugleich.

Ein auffallender Bestandteil der Show waren auch die langen Klavier- und Schlagzeug-Soli.

 

Steven Wilson Gasteig 2019
Steven Wilson – 04.02.2019 – Philharmonie im Gasteig – Photo: © The Discovered Land

 

Der letzte Song vor der Pause tauchte die Bühne in violettes und neongrünes Licht. Die Gitarristen wie auch Steven Wilson lagen auf dem Boden. Drums und Keyboard dominierten. Verwirrend, progressiv und wohl mit einem tieferen Sinn. Es ist Kunst!

Mit Blitz- und Donner sprangen die Gitarristen auf. Es herrschte ein wirres Durcheinander an Instrumenten und Lichteffekten. Eine Show, die das Publikum ausnahmslos in ihren Bann zog und es am Ende mit totaler Dunkelheit und Stille aus der Hypnose riss.

 

Ein 51-jähriger Super-Nerd mit Brille

 

Auf seine Frage, wer im Publikum denn unter 25 Jahre ist, meldeten sich nur wenige. Also wiederholte der charismatische Wilson die Frage. Und mehrere Personen zeigten nun auf. Erfreut darüber, dass sein deutsches Publikum langsam jünger wird, erfolgte die Vorstellung eines wichtigen Geräts: der e-Gitarre.

 

Steven Wilson 02/2019 München
Steven Wilson – 04.02.2019 – Philharmonie im Gasteig – Photo: © The Discovered Land

 

Nach einer kurzen Ausführung über 8-jährige Hobby-Gitarrenspieler auf Youtube, welche 3000 Töne pro Sekunde spielen könnten, aber dabei die Gitarre direkt unter der Nase halten, um bei jedem Griffwechsel auf das Instrument sehen zu können, erläuterte Steven Wilson seinen Versuch, beim nächsten einminütigen Gitarrensolo möglichst sexy auszusehen. Einfach indem der, der selbst ernannte 51-jährige Super-Nerd mit Brille, eben nicht auf das Instrument schaut.

 

Wie es progressive Musik vorsieht

 

Mit „Permanating“ folgte das letzte Lied vom Set. Steven Wilson rief das Publikum auf zu tanzen. Und ihm die besten Moves zu zeigen. Ganz so, als ob man auf dem Dancefloor wäre.

„Jetzt ist es an der Zeit, sich glücklich zu fühlen. Später könnt ihr dann suizidal-depressiv heim gehen. So wie es progressive Musik vorsieht“. Zu dieser Ansage Wilsons erschienen unzählige Lichtkegel in allen nur erdenklichen Farben auf der Bühne. „Permanating“, das ist pure Lebensfreude. Die sogleich auf das Publikum übersprang. Es wurde getanzt und mit den Armen in der Luft gewedelt. Partyfeeling pur. Und das in der Philharmonie im Gasteig!

 

Steven Wilson Februar 2019
Steven Wilson – 04.02.2019 – Philharmonie im Gasteig – Photo: © The Discovered Land

 

Um 22:30 Uhr war dann endgültig Schluss. Und das begeisterte Publikum feierte Steven Wilson mit minutenlangen Standing Ovations. Woraufhin noch zwei Zugaben folgten, bei denen Steven Wilson barfuß auf der Bühne stand.

Um die angekündigte, für progressive Musik typische, Stimmung zu erzeugen, wurde zum Schluss noch ein kurzer Film gezeigt. Ein alter Mann war zu sehen. Er fing einen Raben und tötete ihn.

 

Der Drummer, wie hieß er noch gleich

 

Anschließend verabschiedete Steven Wilson sich herzlich vom Münchner Publikum. Nicht jedoch, ohne seine Band noch vorzustellen. Der Drummer musste jedoch noch ein wenig leiden, gab Wilson doch vor, seinen Namen kurzzeitig vergessen zu haben.

Ein Abend mit viel Musik, viel Krach und viel Kunst ging somit zu Ende. Als Musiker ließ Steven Wilson die Herzen höher schlagen. Als Künstler polarisierte er. Die „To the Bone“-Tour, eine definitiv beispiellose Produktion.

 

Mehr Bilder des Abends findet ihr hier.

 

 

Bericht: Steffi

Photos: The Discovered Land (for Metal Affair)

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