Motorowl - Artwork by SNDNBCK

MOTOROWL im Interview mit Metal Affair

Wie kommt es zu der Mischung im Sound? Stoner Doom mit 70er Classic Rock-Einschlag ist dann doch nicht ganz so oft vertreten wie andere Bereiche im Stoner/Doom.

Hallo Lilly! Okay, dann antworte ich auch so direkt drauf los. Unser Sound definiert sich ein bisschen durch die Charaktere der Menschen, die in der Band spielen, die eben gerade bei uns sehr unterschiedlich sind. So verschachtelt wie der Satz ist dann auch der Songwriting-Prozess. Wir sortieren sehr lange unsere Ideen aus und der Kompromiss aus den Vorschlägen aller ist dann quasi ein Part in einem Song. 70er Classic-Rock sehe ich da gar nicht so vertreten, wie eher progressivere Truppen aus der Zeit. Also Yes, Rush, Kraan. Aber da kann ich mich selbst auch täuschen. Die Wahrnehmung der eigenen Schöpfung ist ja manchmal auch verzerrt. Long story short: wenn wir wollen, dass unser Sound divers ist, dann wird er es auch.

Reiten wir noch etwas auf dem Sound rum: Orgeln sind im Stoner/Psychedelic-Gefilden keine Unbekannten, bei Euch fällt der sehr starke Einsatz aber positiv auf. War der dominante Orgeleinsatz als Abwechslung zu anderen Bands geplant oder eher eine natürliche, seltene Entwicklung? 

Haha, bei wem fällt denn der Einschlag der Orgel negativ auf? Ich finde, es gibt ein paar zu wenig Tastenficker (schreckliches Wort, ich weiß) da draußen. Der dominante Orgel-Einsatz kam einfach dadurch, dass wir Daniel hatten. In unserer Jugend in einer thüringischen Kleinstadt, haben wir auch einfach alles mögliche ausprobieren können. Es gab zwei Organisten in unserem Freundeskreis und einer spielt nun mal jetzt immer noch bei uns. Ich finde Orgel und gerade auch Synthesizer sind sehr praktische Songwriting-Tools, wenn hier und da mal Frequenzen fehlen oder man an der Gitarre nicht weiterkommt. Darüber hinaus ist Daniel sehr virtuos, hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz und musiktheoretisch der Schlauste bei uns. Das ist schon alles richtig so. 

Motorowl
Motorowl – Photo: © The Discovered Land

In welche Richtung seht ihr, falls überhaupt absehbar, die Entwicklung Eures Sounds? Beispielweise waren auf Atlas bei Infinite Logbook Keyboards im bester 80er-Manier und beim gleichnamigen Titeltrack kirchenartige Orgelklänge hörbar, was neue Nuancen geschaffen hat. 

Coole Frage! Ich mach mal direkt da weiter, wo ich gerade abgesetzt habe. Als ich mir 2018 den Mund faserig geredet habe, um Atlas zu promoten, habe ich oft davon erzählt, dass die Keys bei uns einfach eine dritte Gitarre sind. Das hat sich ein bisschen geändert. Natürlich hat Daniel nach wie vor viele Lead-Parts, allerdings hat sich seine Soundästhetik im aktuellen Songwriting ein kleines bisschen verändert. Das ist natürlich Konsens innerhalb der Band und auch cool so. Generell gilt aber, dass wir klassische 80s Synths, Orgel und Wurlitzer in unseren Sound bauen können und unsere Songs von der Dynamik zwischen den Instrumenten leben. Was sich verändert hat, ist die Art und Weise zu schreiben. Wir wissen nach über 120 Shows in (fast) immer der gleichen Besetzung mittlerweile was uns Spaß macht und was während eines Konzertes gut funktioniert. Darüber hinaus sind wir auch einfach besser geworden, denke ich. Ich war 18, als wir OM GENERATOR geschrieben haben. Jetzt bin ich 24 und meine ein bisschen besser zu wissen, was ich will. Das lässt sich so auch auf die 4 anderen Jungs übertragen. Insofern ändert sich unser Sound einfach mit unserem Alter. 

2018 hattet ihr mit Atlas euer zweites und bisher letztes Album an den Start gebracht, wie sind die Pläne für Nachfolgeralben bzw. neue Musik? 

Wir arbeiten seit ungefähr einem Jahr an neuem Material. Ganz konkret glaube ich seit wir Ende 2019 aus Schweden kamen und ein paar Tage in Hamburg Zeit hatten, um ein paar Ideen aufzunehmen (Danke an Kavrila für euren Raum!). Danach haben wollten wir bis April nicht live spielen, um den Fokus komplett auf neues Material zu legen. Was dann passiert ist, wissen ja alle. Und jetzt haben wir sehr viel Zeit, haben schon einiges an Material vorproduziert, was wir nächstes Jahr ins Studio tragen werden. Wir sind gerade sehr produktiv und freuen uns drauf, bald unsere dritte Platte in die Welt zu tragen. Vielleicht gibt es ja bis dahin noch die eine oder andere Überraschung.

Motorowl Drums
Motorowl – Photo. © The Discoverd Land

Ihr seid 2019 mit den Kollegen von Wucan getourt und selbst aus Deutschland – übt für Euch, als Band wie auch als Teil der Szene, Krautrock da einen besonderen Einfluss aus?

Wucan sind ganz liebe Freunde, mit denen wir auch abseits der Bühne einen guten Draht haben. Dass wir ab und zu zusammen spielen ist quasi die Sahnehaube. Mit der Krautrock-Szene haben wir als Band gar nicht so viel am Hut. Ich bin nur persönlich ein großer Fan von Bands wie Neu!, Guru Guru und Kraan, welche Maßgeblich die deutsche „Szene“ beeinflussen. Deswegen kann ich da gar nicht so viel zu sagen. Ich freue mich, dass meine Jungs diese Einflüsse tolerieren und wir ab und zu mal in die Richtung ausschlagen können.

Wie erlebt ihr die deutsche Szene in Sachen Stoner/Doom? Spezielle Eigenheiten im Sound der Bands oder Art der Leute? 

Eigentlich ganz entspannt. Wir waren auf dem Desertfest, auf dem Freak Valley und dem Burg Herzberg Festival und ich muss sagen, dass gerade die riffhungrige Fraktion der Musikszene, also die Stoner-Fans, wirklich angenehme Zeitgenoss*innen sind. Das sind auch meistens die entspannten Tage auf Tour. Allerdings muss ich sagen, dass das Publikum oft sehr Pimmel-lastig ist, was aber bei Bands unserer Couleur oft der Fall ist. Das ist übrigens mit Metalfestivals genau so, da sind wir ja aufgrund unseres Sounds auch häufig unterwegs. Soundmäßig hab ich das Gefühl, dass sehr viele Bands diesen Wüstensound fahren wollen, was ich für Leute aus Mitteleuropa immer ein bisschen schwierig finde. Außerdem langweilt mich das auch ganz schnell, gerade auch wenn das Riff zum fünfundachtzigsten Mal wiederholt wurde. Ich weiß, wir sind da nicht ganz frei von, aber wir geben uns Mühe, eben genau so nicht zu klingen. Luxusproblem, schätze ich mal. 

Tourneen sind momentan undenkbar und auch Konzerte nur schwer bis gar nicht möglich. Wie steht Motorowl zu Alternativen wie Online-Gigs, oder ist das für Euch absolut undenkbar? 

Uff, naja. Ich sag‘s mal so: Als wir die ersten Absagen für Festivals 2020 bekommen haben, waren wir schon ein bisschen verzweifelt und haben nach Optionen gesucht, einen Stream in cool zu machen. Dann haben wir mit ein paar Leuten diesbezüglich Kontakt aufgenommen, aber wir haben das dann als Überflüssig abgestempelt. Ich denke, die Leute sind übersättigt an Streaming-Angeboten für Shows und wir fühlen uns damit nicht so wirklich wohl. Und damit war die Sache vom Tisch. Wir haben am 31.10. ein richtiges Konzert in Kaiserslautern gespielt, vor 50 Leuten, die auf Couches saßen. Das war ganz cool, brauchen wir aber auch nicht mehr so oft. Ist schon ne schwierige Zeit für Live-Musiker. Aber hey, wenn jetzt noch mal jemand mit einer coolen Idee für einen Stream um die Ecke kommt, würden wir das vielleicht machen. Ich denke aber, die Leute haben mehr davon, wenn wir am Album arbeiten und dann damit, sollte es die Lage zulassen, wieder überall rumfahren.

Motorowl live on Stage
Motorowl – Photo: © The Discovered Land

Tourpläne für Bayern und München, sobald die Welt es wieder zulässt?

Na sicher! Wir waren glaube ich schon 4 mal in München und das war auch immer cool. Außer beim ersten Mal, da waren glaube ich nur so 20 Leute da, haha. Aber wurde dann immer besser. Letztes Mal waren wir mit All Them Witches im Backstage, war glaube ich sogar ausverkauft, wenn mich nicht alles täuscht. Aber ich bin mal ganz ehrlich und sage, dass es aktuell keine konkreten Termine für irgendwas gibt. Es gibt ein paar gebuchte Shows, da haben wir allerdings auch keine Garantie, dass das stattfinden wird. Das betrifft auch alle Festivals, für die wir 2021 gebucht sind.

Das war es schon mit unseren Fragen. Das letzte Wort gehört euch.

Danke erstmal fürs bis hier her lesen, ich hab ja schon viel über uns erzählt. Hier noch mal ein allgemeiner Hinweis:

Liebe Hippies, Vieldenker, Weintrinker und alle Anderen: baut euch keinen Aluhut! Bewahrt der Szene ein wenig Integrität und verbreitet keine Verschwörungstheorien. Geht auch nicht mit Nazis gemeinsam auf die Straße. Die Zeit ist gerade hart genug für alle und es ist auch nicht alles cool, was so in der Welt passiert. Aber seht zu, dass ihr lieber Teil der Lösung seid, als Teil des Problems. Dann können wir nämlich alle bald wieder Rock machen! 

Motorowl in Action
Motorowl – Photo: © The Discovered Land

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